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Weltmeisterschaft:

Kandidatenturnier 2011

Ergebnisse und Hintergründe

Das Kandidatenturnier im russischen Kasan fand vom 3. bis 27. Mai 2011 statt. Boris Gelfand qualifizierte sich als Herausforderer des Weltmeisters Viswanathan Anand.

Acht Spieler traten im Ko-System gegeneinander an. Die Matches bestanden aus jeweils vier Partien, im Finale aus sechs. Die Bedenkzeit betrug 120 Minuten für die ersten 40 Züge, 60 Minuten für die nächsten 20 Züge sowie 15 Minuten für den Rest der Partie. Ab dem 61. Zug wurden pro Zug 30 Sekunden zugeschlagen.

Stand es nach den regulären Partien Unentschieden, wurden vier Schnellschachpartien mit 25 Minuten Bedenkzeit plus einem Inkrement von 10 Sekunden gespielt. War danach immer noch keine Entscheidung gefallen, kam es zu maximal fünf Paaren Blitzschachpartien mit 5 Minuten Bedenkzeit plus 3 Sekunden Inkrement. Für den Fall, dass auch nach den zehn Blitzpartien kein Sieger fest stünde, war ein „Armageddon“ mit 5 Minuten für Weiß und 4 Minuten für Schwarz vorgesehen, bei dem Weiß gewinnen musste.

Ergebnisse

Das Kandidatenturnier war von einer sehr hohen Remisquote geprägt. Nur drei Partien mit klassischer Bendenkzeit wurden entschieden.

Kandidatenfinale

Ab dem 19. Mai wurde das Finale ausgetragen. Boris Gelfand konnte sich in den klassischen Partien durchsetzen.

Spieler Pkt. 1 2 3 4 5 6
Boris Gelfand (4) ½ ½ ½ ½ ½ 1
Alexander Grischtschuk (6) ½ ½ ½ ½ ½ 0

Halbfinale

Ab dem 12. Mai wurden die Halbfinals ausgespielt. Die Entscheidungen fielen jeweils im Schnellschach.

Spieler Pkt. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Gata Kamsky (8) 4 ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 0 0 0
Boris Gelfand (4) 6 ½ ½ ½ ½ ½ ½ 0 1 1 1
Spieler Pkt. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Wladimir Kramnik (2) ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ 0 ½
Alexander Grischtschuk (6) ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 ½

Viertelfinale

Das Viertelfinale fand vom 5. bis 9. Mai statt. Boris Gelfand und Gata Kamsky setzten sich in den klassischen Partien durch, Nachrücker Alexander Grischtschuk im Schnellschach und Wladimir Kramnik im Blitzen.

Spieler Pkt. 1 2 3 4
Wesselin Topalow (1) ½ 0 ½ ½
Gata Kamsky (8) ½ 1 ½ ½
Spieler Pkt. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Wladimir Kramnik (2) ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ 0 1 1 ½
Teimour Radjabov (7) ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 0 0 ½
Spieler Pkt. 1 2 3 4 5 6 7 8
Lewon Aronjan (3) ½ ½ ½ ½ 0 1 ½ 0
Alexander Grischtschuk (6) ½ ½ ½ ½ 1 0 ½ 1
Spieler Pkt. 1 2 3 4
Boris Gelfand (4) ½ ½ 1 ½
Shakhriyar Mamedyarov (5) ½ ½ 0 ½

Qualifikation und Setzliste

Magnus Carlsen

Zweifacher Aussteiger:
Magnus Carlsen

Bei den Regeländerungen mitten im Zyklus (siehe unten) wurden die Kriterien für die Qualifikation zum Kandidatenturnier erweitert. Neben dem World-Cup-Sieger Boris Gelfand und dem Sieger des Grand Prix, Lewon Aronjan qualifizierten sich nun noch fünf weitere Spieler für das Kandidatenturnier. Zusätzlich durfte der Veranstalter noch einen Spieler nominieren. Da das Turnier zunächst in Aserbaidschan stattfinden sollte, fiel die Wahl auf Shakhriyar Mamedyarov.

Privilegien wurden dem Verlierer der WM 2010 und dem Verlierer des Kandidatenfinals 2009 zugestanden. So rückten Wesselin Topalow und Gata Kamsky ins Feld. Der Zweite des Grand Prix qualifizierte sich ebenfalls. Diesen Platz nahm Teimour Radjabov ein. Der profitierte dabei von einem zweifelhaften Punktgewinn gegen seinen Landsmann Mamedyarov beim letzten Grand Prix.

Zwei Spieler qualifizierten sich schließlich noch über ihr Rating. Hierfür wurde der Elo-Schnitt von Juli 2009 und Januar 2010 herangezogen. Magnus Carlsen und Wladimir Kramnik kamen auf diese Weise zu ihren Startplätzen. Der Norweger verzichtete allerdings auf seinen Startplatz. Für ihn rückte Alexander Grischtschuk als Dritter des Grand Prix nach.

Für die Setzliste war die Elo von Januar 2010 – also mehr als ein Jahr vor dem Turnier – entscheidend. Lediglich der Vizeweltmeister wurde an Rang 1 gesetzt.

Pl. Spieler Geb. Land Elo
Elo aus Januar 2010, die für die Setzliste entscheidend ist; Carlsen erklärte Anfang November 2010 seinen Verzicht auf das Kandidatenturnier
1 Wesselin Topalow Wesselin Topalow
Verlierer der WM 2010
1975 Bulgarien 2805
Magnus Carlsen Magnus Carlsen
Bester Rating-Schnitt
1990 Norwegen 2810
2 Wladimir Kramnik Wladimir Kramnik
Zweitbester Rating-Schnitt
1975 Russland 2788
3 Lewon Aronjan Lewon Aronjan
Sieger Grand-Prix-Serie
1982 Armenien 2781
4 Boris Gelfand Boris Gelfand
Sieger World Cup
1968 Israel 2761
5 Shakhriyar Mamedyarov Shakhriyar Mamedyarov
Nominierung des Veranstalters
1985 Aserbaidschan 2741
6 Alexander Grischtschuk Alexander Grischtschuk
Nachrücker aus Grand-Prix-Serie
1983 Russland 2736
7 Teimour Radjabov Teimour Radjabov
Zweiter Grand-Prix-Serie
1987 Aserbaidschan 2733
8 Gata Kamsky Gata Kamsky
Verlierer Kandidatenfinale 2009
1974 USA 2693

Änderungen im Zyklus

Ursprünglich war vorgesehen, dass die Sieger des World Cups und der Grand-Prix-Serie ein Kandidaten-Match gegeneinander austragen. Nachdem bereits zwei Grand Prix gespielt waren, änderte die Fide Ende 2008 das Reglement. Magnus Carlsen und Michael Adams stiegen aus Protest aus.

Das neu geschaffene Turnier wurde zunächst in die aserische Hauptstadt Baku vergeben. Es wurde zunächst noch ein Co-Veranstalter gesucht, da dem Armenier Aronjan das Spielen in Aserbaidschan nicht zugemutet werden sollte. Nachdem kein solcher gefunden wurde, erhielt das russische Kasan den Zuschlag. Mit dieser Entscheidung war Wesselin Topalow nicht einverstanden, der in Russland nicht gegen einen Russen spielen wollte.

Magnus Carlsen verkündete Ende 2010 erneut seinen Verzicht. Gegen das Nachrücken Alexander Grischtschuks protestierte wiederum Teimour Radjabov, der selbst unter etwas zweifelhaften Umständen die Qualifikation geschafft hatte. Er verwies nicht zu Unrecht darauf, dass ein Nachrücken zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorgesehen war. Die Fide fühlte sich aber einmal mehr nicht an ihre Regeln gebunden.

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caissa WM
Kandidatenturnier

Letzte Aktualisierung

21.6.2011, 12.09 Uhr

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Hintergrund in Kürze

Das Kandidatenturnier ist der letzte Schritt der Qualifikation zur WM 2012. Diese findet in der Olympiastadt London statt. Viswanathan Anand wird über voraussichtlich 14 Partien seinen Titel zu verteidigen versuchen.

Chronik zum Thema

Die bisherigen Weltmeister: 1886, 1889, 1891, 1892 Steinitz, 1894, 1897, 1907, 1908, 1910, 1910/II Lasker, 1921 Capablanca, 1927, 1929, 1934 Aljechin, 1935 Euwe, 1937 Aljechin, 1948, 1951, 1954 Botwinnik, 1957 Smyslow, 1958 Botwinnik, 1960 Tal, 1961 Botwinnik, 1963, 1966 Petrosjan, 1969 Spasski, 1972 Fischer, 1975, 1978, 1981, 1984 Karpow, 1985, 1986, 1987, 1990, 1993, 1995 Kasparow, 2000, 2004, 2006 Kramnik, 2007, 2008, 2010 Anand

Alle Weltmeisterschaften mit Ergebnissen und Berichten findest Du in der caissa schach-chronik.

Quellen und weitere Informationen

Fide

Rechte an dieser Seite

Text: Rainer Osenberg, Bild: Pressefoto/G-Star, (Details)

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