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Fide-Kongress 2010

Fakten und Hintergründe zum Wahl-Kongress

Der Fide-Kongress tagt vom 24. September bis zum 2. Oktober in Chanty-Mansijsk. In diesem Rahmen trifft sich vom 29. September bis zum 2. Oktober die Generalversammlung (General Assembly) der Fide. Diese ist das höchste Gremium des Verbandes und für die Wahl u.a. des Präsidenten und seiner Mannschaft verantwortlich. Auf den einzelnen Seiten findest Du Informationen rund um die Wahl.

So läuft die Wahl

Alle vier Jahre stehen in der Generalversammlung umfangreiche Wahlen an. Die größte Bedeutung hat zweifellos die Wahl des Präsidenten und seiner Mannschaft. Darüber hinaus werden aber auch die Präsidenten der Kontinentalverbände gewählt und zahlreiche andere Posten neu besetzt.

Nominierung durch den Verband

Laut Fide-Handbuch können die Kandidaten für die Präsidentschaft nur von ihrem nationalen Verband nominiert werden, dem Sie mindestens ein Jahr vor der Generalversammlung angehören mussten. Dies ist bereits ein erster Grund für Spekulationen. Anatoli Karpow, der sich der Nominierung durch seinen russischen Heimatverbandes keineswegs sicher sein durfte, wurde vom Deutschen Schachbund nominiert. Als langjähriges Mitglied des SV Hockenheim ist Karpow auch Mitglied des DSB. Auch die Aussagen von Amtsinhaber Iljumschinow lassen darauf schließen, dass die deutsche Nominierung Karpows legitim ist.

Interessant ist in diesem Zusammenhang aber auch Iljumschinows Rolle. Das Votum des russischen Verbandes war bis in den Juni hinein umstritten. Doch nicht nur aus wahltaktischen Gründen ist die Stimme Russlands von großem Interesse. Das Handbuch der Fide sieht bei der Nominierung des Präsidentschaftskandidaten formal keine Ausnahme für den Amtsinhaber vor. Interessant ist also, ob Iljumschinow überhaupt antreten darf, sofern er die Nominierung seines Verbandes nicht erhält. Über seine Mitgliedschaft in anderen nationalen Verbänden ist nichts bekannt.

Die Nominierung eines Kandidaten muss mindestens drei Monate vor der Eröffnung der Generalversammlung erfolgen, 2010 also bis zum 27. Juni.

Presidential Ticket

Die Kandidaten nominieren vor der Wahl ihr so genanntes Presidential Ticket, zu dessen fünf weiteren Mitgliedern mindestens eine Frau gehören muss: den stellvertretenden Präsidenten, zwei Vizepräsidenten, den Generalsekretär und den Schatzmeister.

Jeder Verband hat eine Stimme

Völlig ungeachtet der Größe oder Bedeutung eines Verbandes hat jeder nationale Mitgliedsverband in der Generalversammlung eine Stimme. Angesichts der Größe z.B. des russischen oder deutschen Verbandes im Vergleich zu eher formal als faktisch existierenden Verbänden wie Bermuda führte dies in der Vergangenheit schon zu einiger Kritik.

Tatsächlich wurden seit den 1970er-Jahren viele eher kleine Schachnationen als Mitglied der Fide geworben. Dies wurde den Präsidenten Campomanes und Iljumschinow schon oft als Makel ausgelegt, doch sollte man sich vergegenwärtigen, dass der Expansionskurs in die Breite während der Präsidentschaft Max Euwes begonnen wurde. Außerdem ist es wohl nur logisch, dass eine Expansion nur in Richtung kleinerer Nationen möglich ist, da die großen längst Mitglieder des Weltschachverbandes sind.

Da verschiedene Präsidenten es in der Vergangenheit allerdings versäumten, das Wahlrecht an die Begebenheiten anzupassen, ist die Kritik, jede Expansion der Fide würde „Stimmvieh“ generieren, allerdings nicht ganz von der Hand zu weisen.

Die Wahl ist geheim

Die Kandidaten legen nicht erst 2010 großen Wert darauf, ihre Unterstützer kundzutun. Viele Verbände bekennen sich bereits Monate vor der Wahl für einen Kandidaten. 2010 haben sich selbst die Präsidenten der Kontinentalverbände früh für einen der Kandidaten entschieden, dabei genießen sie nicht einmal Stimmrecht.

Am Wahltag zählen alle Bekenntnisse ohnehin nicht mehr. Die Wahl ist geheim, die Delegierten können also unabhängig des öffentlichen Bekenntnisses abstimmen. Vor der Wahl haben die Kandidaten jeweils 15 Minuten, um sich und ihr Programm kurz zu umreissen. Bei der Auszählung können die Kandidaten einen Beobachter einsetzen.

Auch der Ecu-Präsident wird gewählt

Robert von Weizsäcker

Robert von Weizsäcker

Auch die Wahl des Präsidenten der Europäischen Schachunion ist interessant, zumal aus deutscher Sicht. Der De-Jure-Präsident des Deutschen Schachbundes, Robert von Weizsäcker ist einer der Kandidaten. Dieser ist zwar schon mit der Leitung des Schachbundes hoffnungslos überfordert, man habe ihn jedoch zu dieser Kandidatur gedrängt. Die Türkei schickt Ali Nihat Yacizi ins Rennen. Der gehörte vor vier Jahren zu den Gegnern Iljumischinows, hat nun aber die Seiten gewechselt. Der Türke macht sich offen für Iljumschinow als Präsidenten der Fide stark.

Während Ali Nihat Yacizi der ECU-Lakai Iljumschinows sein dürfte, ist Robert von Weizsäcker diese Rolle von Karpow zugewiesen. Nicht nur deswegen ist der dritte Kandidat besonders beachtenswert: Silvio Danailow ist den meisten Schachfreunden vor allem als umtriebiger Manager Wesselin Topalows bekannt. Um seinen prominenten Schützling herum hat der Bulgare beachtliche Sponsorengelder aufgetrieben, sei es für die WM 2010, das MTel-Masters oder das Grand Slam Masters.

Auf der anderen Seite ist Danailow nicht nur in Deutschland für seine unnachahmliche Art berüchtigt. In kaum einem Interview kann Danailow widerstehen, sich als den wahren Heiland des Schachs darzustellen und gleichzeitig andere Spieler, Manager und Funktionäre herabzusetzen. Danailow selbst sieht sich und Topalow gern als Opfer von Kampagnen, verdrängt aber dabei gern die Wirkung seiner unsäglichen Arroganz.

Interessant ist der Kandidat Danailow aber noch aus einem ganz anderen Grund. Niemand wird wohl ernsthaft seine Verdienste um die Vermarktung des Schachs anzweifeln. Seine Vorstöße in bezug auf neue Regeln werden dagegen sehr kontrovers diskutiert, egal ob es sich um die „Sofia-Regel“ oder die Vergabe von drei Punkten für einen Sieg handelt. Interessant wird sein, ob die Wähler in erster Linie Respekt oder Angst vor Danailow haben werden, für den die ECU-Präsidentschaft vermutlich nur ein erster Schritt auf dem Weg zum Fide-Präsidenten ist.

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caissa Blickpunkt: Fide-Kongress 2010

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Der caissa Blickpunkt befasst sich jeweils mit wechselnden aktuellen Themen aus der Schachwelt. Ziel ist es, Hintergründe komplexer Themen zu beleuchten und Aspekte ausserhalb der Turnierwelt zu beleuchten.

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Hintergrund in Kürze

Der Kongress tagt jedes Jahr, in geraden Jahren während der Schacholympiade. Während des Kongresses finden vor allem die Generalversammlung (General Assembly), die Vorstandssitzung (Executive Board) und Sitzungen der Verbandskommissionen statt.

Quellen und weitere Informationen

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Text: Rainer Osenberg

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