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WM-Zyklus 2012 |
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Blickpunkt: Der „ewige“ WM-ZyklusFakten und Hintergründe Für den Schokoriegel duplo wäre es wohl der ideale Anlass, wollte man im Schach-Umfeld Werbung betreiben. Schließlich könnte man von der Weltmeisterschaft 2012 doch als „dem wahrscheinlich längsten WM-Zyklus der Welt“ sprechen. Das ist er zwar nicht, aber jener Schokoriegel ist ja auch keine Praline. Berücksichtigt man auch die Revanche, so war der erste WM-Kampf zwischen Anatoli Karpow und Garri Kasparow tatsächlich der längste WM-Zyklus aller Zeiten. Der begann seinerzeit 1981 mit den Zonenturnieren und endete erst im Herbst 1986 mit dem Revanche-Match für Karpow. Scheinbar ewig dauerte auch der Wiedervereinigungs-Zyklus, der 2006 mit dem Match zwischen Wladimir Kramnik und Wesselin Topalow seinen Anfang nahm und erst im Frühjahr 2010 mit dem Match zwischen Topalow und Viswanathan Anand endete. Grand Prix und World CupAuf diesen Zyklus mit seinen zahlreichen Privilegien sollte endlich der lang ersehnte erste ganz normale Zyklus folgen. Nachdem die Ko-Weltmeisterschaften zwischen 1997 und 2004 sich zunehmend als Flop erwiesen hatten und auch die folgenden WM-Turniere 2005 und 2007 nicht die gewünschte Anerkennung gefunden hatten, entschied sich die Fide für einen völlig neuen Modus. Vom Ko-System wollte man dabei nicht ganz lassen. Der World Cup sollte wie schon bei der WM 2007 als eine Säule der Qualifikation dienen. Bei den guten, alten Zonenturnieren sowie kontinentalen Veranstaltungen sollten sich Spieler aus aller Welt für den World Cup qualifizieren. Der Sieger dieses 2009 einmal mehr im sibirischen Chanty-Mansijsk veranstalteten Turniers sollte ein Match um die WM-Kandidatur gegen den Sieger der neu geschaffenen Grand-Prix-Serie austragen, um den Herausforderer des Weltmeisters zu ermitteln. Stars verweigern den Grand PrixDer Grand Prix war ein völlig neues Element der WM-Qualifikation. 21 Spieler sollten an der aus sechs Turnieren bestehenden Serie teilnehmen. Deren Regeln erinnerten ein wenig an die ebenfalls World Cup gennante Serie, die Garri Kasparow & Co in den frühen 1990er-Jahren veranstaltet hatten. Die Spieler mussten sich nicht im eigentlichen Sinne qualifizieren und verpflichteten sich, jeweils genau vier der sechs Turniere zu spielen. Die Punktevergabe war ein wenig kompliziert, zumal das jeweils schlechteste Resultat als Streichergebnis gelten und lediglich als Zweitwertung bei Punktgleichstand herangezogen werden sollte.
Carlsen stieg zweimal aus Die Turniere wurden recht kurzfristig in die Schachkalender 2008 und 2009 gepresst und sorgten bei traditionellen Veranstaltern für einigen Unmut ob der Terminkollisionen. Bei der Fide träumte man davon, Schach nun wieder in „führenden Städten der Welt“ auszutragen, und das auch noch über alle Kontinente. Gedacht war wohl an Metropolen wie Paris, London, New York und andere Städte mit ähnlich prominentem Status. Schmackhaft wollte man die Bewerbungen dadurch machen, dass jeweils ein Spieler von den veranstaltenden Nationen für die Serie nominiert werden durfte. Schließlich wurden jedoch mit Baku, Sotschi, Doha, Montreux, Elista und Karlsbad nicht gerade Metropolen gefunden – und Sotschi war bereits für den ersten abgesprungenen Kandidaten nachgerückt. Auch die Spitzenspieler nahmen die Grand-Prix-Serie nicht in dem gewünschten Maße an. So verzichtete Alexander Morosewitsch auf seine Teilnahme, weil er die Länge des Zyklus bemängelte – dabei sollte das abschließende WM-Match seinerzeit noch spätestens 2011 stattfinden. Auch die gesetzten Viswanathan Anand, Wesselin Topalow und Wladimir Kramnik verzichteten auf eine Teilnahme, ebenso Alexei Schirow und die potentielle Nachrückerin Judit Polgar. Dessen ungeachtet begann die Serie im April 2008 planmäßig in Baku und wurde im Sommer in Sotschi, das für Krasnojarsk eingesprungen war, fortgesetzt. Hier erwies sich allenfalls die Nähe zum Krieg zwischen Russland und Georgien als ein wenig störend. Geänderte Regeln, abspringende VeranstalterDas Chaos brach dann beim Fide-Kongress 2008 aus, der parallel zur Schacholympiade in Dresden stattfand. Hier wurde entgegen aller Regeln beschlossen, dass anstelle des Kandidaten-Matches zwischen den Siegern von Grand Prix und World Cup nun ein Kandidatenturnier von acht Spielern rücken sollte. Zusätzlich sollten nun der Zweite der Grand-Prix-Serie, zwei Spieler über die Rating-Liste, ein vom Veranstalter nominierter Spieler sowie der Vizeweltmeister von 2010 und der Verlierer des Kandidatenfinals 2009 antreten. Letzteres sollte zwischen dem World-Cup-Sieger 2007, Gata Kamsky, und dem bei der WM 2006 unterlegenen Wesselin Topalow stattfinden, und zwar eben just in jenem Herbst 2008. Doch auch hier hatte es einiges Chaos um den Veranstaltungsort gegeben. Aufgrund der willkürlich geänderten Regeln stiegen Magnus Carlsen und Michael Adams aus der laufenden Grand-Prix-Serie aus. Lewon Aronjan, der in einem offenen Brief ebenfalls scharfe Worte fand, spielte immerhin weiter und gewann am Ende sogar die Grand-Prix-Serie.
Veranstaltungsorte Grand Prix Doch es sollte noch schlimmer kommen: Wenige Wochen vor dem Grand Prix in Doha wurde dieser abgesagt. Elista, das eigentlich den fünften Grand Prix austragen sollte, sprang kurzfristig ein, Mohamad Al-Modiakhi, der von Doha nominiert worden war, wurde aus der Serie gestrichen. Ebenso erging es Yannick Pelletier und David Navara, als später auch noch Montreux und Karlsbad auf die Austragung verzichteten. Auch die ursprünglich geplanten Reservestädte Istanbul und Teheran passten. So wurde schließlich im armenischen Dschermuk und im russischen Naltschik gespielt. Von Reisen nach Naltschik riet das deutsche Außenministerium übrigens damals wie heute aus Sicherheitsgründen ab. Als die Serie schon längst beendet sein sollte, fand man mit Astrachan schließlich auch noch den letzten Veranstalter, wenn auch erst für Mai 2010, also dem Termin, an dem eigentlich schon die neue Grand-Prix-Serie starten sollte. Ursprünglich sollten Grand Prix und World Cup sowie das folgende Kandidaten-Match ja im Zweijahresrhythmus stattfinden. Auch mit den über alle Kontinente verteilten Turniere in Metropolen war es letztlich nicht weit her. Spötter bezeichneten die Grand-Prix-Serie als „Kaukasus-Cup“ – alle Turniere fanden letztlich auf einem Raum von rund 600.000 km² statt. Noch vor dem letzten Grand Prix in Astrachan stand Lewon Aronjan als Sieger der Serie fest. Der 2. Platz ging letztlich an Teimour Radjabov, der beim letzten Turnier von einem Aussetzer seines Landsmanns Shakhriyar Mamedyarov profitierte, der für einige Diskussionen sorgte. Dritter der Serie wurde Alexander Grischtschuk, was noch wichtig werden sollte, da etwaige Nachrücker ins Kandidatenturnier aus dem Grand-Prix-Klassement rekrutiert werden sollten. Einstweilen ging Ende 2009 der World Cup ohne Skandale und große Pannen über die Bühne. Mit Boris Gelfand gewann sogar trotz aller Glücksfaktoren einer der beiden Elo-Favoriten in Chanty-Mansijsk. Eigentlich hätte also das Kandidaten-Match Lewon Aronjan gegen Boris Gelfand geheißen, wäre da nicht anno 2008 das Kandidatenturnier eingeführt worden. Wie es der Zufall und die Januar-Rangliste 2010 wollten, war das Match Aronjan gegen Gelfand nun für das Viertelfinale vorgesehen. Chaos auch ums KandidatenturnierAls die Fide sich – offiziell aus kommerziellen Gründen – für ein Kandidatenturnier entschlossen hatte, war noch nicht klar, ob dieses aus Matches bestehen oder ein Rundenturnier sein sollte. Letztlich entschied man sich für Matches mit jeweils nur vier Partien. Lediglich das Kandidatenfinale sollte aus sechs Partien bestehen – ebenfalls nicht gerade eine wirklich klassische Distanz.
Grand-Prix-Sieger Aronjan Über ihren Rating-Schnitt qualifizierten sich der eigentlich bereits aus dem Zyklus ausgestiegene Magnus Carlsen und Wladimir Kramnik für das Kandidatenturnier. Shakhriyar Mamedyarov wurde vom Ausrichter nominiert. Dieser sollte die Hauptstadt Aserbaidschans sein, Baku, wo im April 2008 der WM-Zyklus auch begonnen hatte. Konnte beim Grand Prix der Armenier Lewon Aronjan noch dem Austragungsort im verfeindeten Aserbaidschan ausweichen, gestaltete sich dies beim Kandidatenturnier nun schwieriger. Aronjan – immerhin Grand-Prix-Sieger und dadurch eigentlich im Kandidaten-Match – sollte nicht zugemutet werden, im Feindesland zu spielen. Die Fide wollte nun noch einen Co-Ausrichter finden, wenn auch ohne das Privileg einer Nominierung. Wie so oft scheiterten die Bemühungen des Schachverbandes. Doch es sollte ohnehin anders kommen: Im Sommer 2010 wurde das Kandidatenturnier urplötzlich ins russische Kasan vergeben. Da um die russische Nominierung des Präsidentschaftskandidaten bei der Fide-Wahl eifrig gestritten wurde, wurde ebenso eifrig darüber spekuliert, ob zwischen der Wahl und der überraschenden Vergabe nach Russland ein Zusammenhang bestünde. Zwar war nun das Problem vom Tisch, ob Lewon Aronjan antreten würde, doch ein anderes Problem trat in den Vordergrund: Wesselin Topalow, der sowohl die Teilnahme am Grand Prix als auch am World Cup verweigert hatte und nur durch das Hintertürchen ins Kandidatenturnier gerutscht war, äußerte seine Bedenken gegen Russland als Austragungsort. Er berief sich auf seine Erfahrungen bei der WM 2006 im russischen Elista gegen Wladimir Kramnik. Dort hatte Topalows Team beim Stand von 0:2 dem Gegner Manipulationen vorgeworfen, es kam zu einem regelunkonformen Tohubawohu. Am Ende wurde Kramnik Weltmeister, obwohl er nach dem Toilettenskandal eine Partie kampflos verloren hatte. Nun weigerte sich Topalow, beim Kandidatenturnier in Russland gegen einen Russen anzutreten, vor allem gegen „diese Person“. Schließlich war es aber Magnus Carlsen, der auf die Teilnahme am Kandidatenturnier verzichtete und damit auf die historische Chance, jüngster Weltmeister aller Zeiten zu werden. Carlsen, der ja bereits aus dem Grand Prix ausgestiegen war, bemängelte erneut die zahlreichen Änderungen im Zyklus und verwies auch auf die schlechte Planbarkeit des Kandidatenturniers. Carlsens Rückzug kostete diesem nicht nur innerhalb des Verbandes einige Reputation. Die Fide reagierte, als wäre ein Kandidatenturnier ohne den stärksten Spieler der vergangenen Monate das normalste der Welt und ließ gemäß dem Reglement Alexander Grischtschuk nachrücken. Bei einem Russen mehr im Feld stieg allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass Wesselin Topalow ebenfalls auf die Teilnahme verzichten würde – was er letztlich zum Glück aber nicht tat. Aber nicht nur deswegen ist die Fide-Entscheidung kritisch: Eigentlich sollte zu diesem Zeitpunkt ein aussteigender Spieler nicht mehr ersetzt werden, weshalb Teimour Radjabov – der sich durch Regeländerungen und nicht zuletzt die zweifelhafte Partie beim letzten Grand Prix noch qualifiziert hatte – reklamierte, er müsse kampflos ins Halbfinale einziehen. Allerdings war auch vorgesehen, dass zu jenem Tag X die Konditionen längst klar und die Verträge mit den Spielern unter Dach und Fach seien, was – fast möchte man sagen: natürlich – nicht der Fall war, nicht einmal sechs Monate nach dem Stichtag. Letztlich fand das Kandidatenturnier im Mai 2011 im russichen Kasan statt. Die kurzen Matches forderten ihren Tribut, denn es wurde überwiegend ser vorsichtig agiert. Nur drei Partien mit klassischer Bedenkzeit fanden einen Sieger. Die meisten Matches wurden dagegen im Stichkampf entschieden. Im Kandidatenfinale setzte sich Boris Gelfand als Herausforderer durch. Ihm gelangen als einzigem Spieler zwei klassische Siege im Turnier. Wann und wo das WM-Finale stattfindet, das entgegen der Beteuerungen Kirsan Iljumschinows nun doch nur zwölf Partien umfassen soll, steht noch in den Sternen. Der erste Stichtag für Interessenten verstrich ohne Angebot. Einst galt es als nahezu sicher, dass der Veranstalter der WM 2008, UEP, sowohl WM als auch Kandidatenturnier austragen würden, doch das Angebot wurde schließlich zurück gezogen. Dann galt die Olympiastadt London als sicherer Austragungsort, doch auch die Engländer zogen zurück. Als Grund wurde genannt, dass die Fide auf etwaige Nachfragen nicht mehr geantwortet habe. Der erste „normale“ Zyklus nach der Wiedervereinigung der Schachwelt blieb also chaotisch. Zu guter Letzt gab es mit Moskau und Chennai doch noch zwei Bewerber. Den Zuschlag erhielt die russische Hauptstadt, die ein Preisgeld von insgesamt 2,25 Millionen Dollar bot. Anzeige
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caissa Blickpunkt: WM-Zyklus 2012 Blickpunkt Der caissa Blickpunkt befasst sich jeweils mit wechselnden aktuellen Themen aus der Schachwelt. Ziel ist es, Hintergründe komplexer Themen zu beleuchten und Aspekte ausserhalb der Turnierwelt zu beleuchten. Weitere Themen: Artikel zum Thema Gelfand ist der Herausforderer Anzeige
Hintergrund in Kürze Das Kandidatenturnier ist der letzte Schritt der Qualifikation zur WM 2012. Diese findet in der Olympiastadt London statt. Viswanathan Anand wird über voraussichtlich 14 Partien seinen Titel zu verteidigen versuchen. Nächster Termin Das Kandidatenturnier findet im Mai 2011 statt. Das Finale ist für 2012 datiert. – Turnierkalender Quellen und weitere Informationen Rechte an dieser Seite Text: Rainer Osenberg, Bilder: Stefan64/Wikipedia Commons, GNU FDL (Details), Wiz999/Rainer Osenberg/Wikimedia Commons, cc-by-sa 3.0 (Details) Diese Seite merken |
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