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Weltmeisterschaft: Anand gegen GelfandWM 2012 in Moskau Das Finale um die klassischen Weltmeisterschaft bestreiten der Titelverteidiger Viswanathan Anand und sein Herausforderer Boris Gelfand im Mai 2012. Gespielt wird vor den Toren Moskaus im Innovationszentrum Skolkowo, das als „Sillicon Valley“ Russlands aufgebaut wird. Gespielt wird um netto 2,04 Millionen US-Dollar Preisgeld. Von diesem Geld erhält der Sieger 1,224 Millionen Dollar, sofern er das Match in den regulären Partien gewinnt. Im Falle eines Stechens reduziert sich der Anteil des Siegers auf 1,122 Millionen Dollar. Das MatchGespielt werden wieder zwölf Partien mit 120 Minuten Bedenkzeit für die ersten 40 Züge gefolgt von 60 Minuten für die nächsten 20 Züge sowie 15 Minuten für den Rest der Partie. Ab dem 61. Zug werden 30 Sekunden für jeden gespielten Zug gutgeschrieben. Nach jeweils zwei Partien wird ein Ruhetag eingelegt. Ein weiterer Ruhetag ist zwischen der elften und zwölften Partie vorgesehen. Fällt in den regulären Partien keine Entscheidung, findet nach einem weiteren Ruhetag ein Stichkampf statt. Vier Schnellschachpartien mit einer Bedenkzeit von 25 Minuten plus 10 Sekunden Gutschrift für jeden gespielten Zug sollen dann die Entscheidung bringen. Fällt auch dabei keine Entscheidung, finden zwei Blitzpartien mit 5 Minuten Bedenkzeit plus einem Inkrement von 3 Sekunden statt. Dieses Procedere wird bis zu fünfmal wiederholt. Sofern auch nach zehn Blitzpartien keine Entscheidung gefallen ist, kommt es zum „Sudden Death“, bei dem Weiß 5 Minuten und Schwarz nur 4 Minuten Bedenkzeit hat, jedoch lediglich remisieren muss. Ab dem 61. Zug werden 3 Sekunden gutgeschrieben. Das Duell findet zwar in Russland statt, doch ist zum zweiten Mal hintereinander kein russischer Spieler im Finale. Zwischen den Matches Laskers gegen Capablanca 1921 und Anand gegen Topalow 2010 war stets immer mindestens ein Russe oder Sowjet an der WM-Entscheidung beteiligt. Kurios ist, dass Herausforderer Gelfand älter als Anand ist, obwohl der Inder nach Wilhelm Steinitz der älteste Spieler ist, der erstmals eine Weltmeisterschaft gewinnen konnte. Boris Gelfand – der HerausfordererBoris Gelfand wurde am 24. Juni 1968 in Minsk geboren, ist also fast eineinhalb Jahre älter als der Weltmeister. Seine Karriere begann noch in der Sowjetunion, nach deren Zusammenbruch trat Gelfand für seine Heimat Weißrussland an. Inzwischen vertritt Boris Gelfand seine Wahlheimat Israel.
Boris Gelfand Mitte der 1980er-Jahre ging der Stern Gelfands beim Gewinn der sowjetischen Jugendmeisterschaft auf. Im Juli 1988 enterte Boris Gelfand erstmals die Top 100 der Weltrangliste, eineinhalb Jahre später die Top 20, die er seitdem nie mehr verließ. 1989 wurde Gelfand der Großmeister-Titel verliehen. Größter WM-Erfolg in Mexiko1990 gewann Gelfand das Interzonenturnier in Biel und qualifizierte sich erstmals für die Kandidatenwettkämpfe. In Sarajevo setzte er sich zunächst gegen Predrag Nikolic knapp durch, bevor er im Viertelfinale in Brüssel am späteren WM-Finalisten Nigel Short scheiterte. In der Folge nahm Gelfand nur an den WM-Zyklen der Fide teil. 1993 gewann er erneut das Internzonenturnier in Biel. Bei den Kandidatenwettkämpfen setzte sich Gelfand gegen Michael Adams und überraschend auch gegen Wladimir Kramnik durch. Schließlich musste er sich jedoch nach einer Führung Weltmeister Anatoli Karpow klar geschlagen geben. Bei der Ko-Qualifikation in Groningen 1997 scheiterte Gelfand erst im Halbfinale Viswanathan Anand. Bei den anschließenden Ko-Weltmeisterschaften schaffte der Israeli es 2002 bis ins Viertelfinale, wo gegen Peter Swidler Schluss war. Zuvor war Gelfand zweimal im Achtelfinale gescheitert. Bei der Skandal-WM 2004 in Libyen wurde dem Israeli die Einreise verweigert. Beim World Cup 2005 qualifizierte sich Boris Gelfand als Fünfter für die Kandidatenwettkämpfe in Elista. Dort setzte sich Gelfand gegen Kasimdzhanov und Kamsky durch und qualifizierte sich damit für das WM-Turnier. In Mexiko feierte Gelfand seinen größten WM-Erfolg: Gemeinsam mit Wladmir Kramnik lag Gelfand am Ende nur einen Punkt hinter dem neuen Weltmeister Anand. In der 9. Runde verdarb sich Gelfand die Chancen auf höhere Ziele bei seiner einzigen Turnierniederlage gegen Alexander Grischtschuk. Boris Gelfand in der QualifikationBoris Gelfand versuchte, sich sowohl über den Grand Prix als auch den World Cup für die WM 2012 zu qualifizieren. Für beide Veranstaltungen qualifizierte er sich über sein Rating. Beim Grand Prix in Sotschi landete Gelfand jedoch nur auf einem enttäuschenden 12. Platz und stand dadurch bereits gehörig unter Druck. Es folgten ein 6. Platz in Naltschik, ein 2. Platz in Dschermuk und schließlich ein 10. Platz in Astrachan. In der Grand-Prix-Wertung belegte Gelfand damit nur den 11. Platz. Allerdings hatte Gelfand inzwischen den World Cup gewonnen. In den ersten beiden Runden hatte Gelfand mit Obdochuk und Amonatov keine Mühe, bevor er gegen Judit Polgar erst im Schnellschach gewann. Ebenfalls eng ging es gegen Vachier-Lagrave und Jakowenko zu, bevor im Halbfinale zwei Siege gegen Sergei Karjakin gelangen. Im Finale war Gelfand schließlich zu stark für Ruslan Ponomarjow. Statt des eigentlich geplanten Duells zwischen den Siegern von World Cup und Grand Prix wurde ein Kandidatenturnier gespielt, bei dem die Gerechtigkeit letztlich siegte. Gegen Mamedyarov, Kamsky und schließlich Grischtschuk qualifizierte sich Gelfand für das WM-Finale. Neben Kamsky war Gelfand bei diesem Turnier der einzige Spieler, der überhaupt eine klassische Partie gewinnen konnte. Gelfand gelang dies gegen Mamedyarov und schließlich auch gegen Grischtschuk. Boris Gelfand gehört zwar bereits mehr als 20 Jahre zur Top 20 der Welt, kam aber nie über einen 3. Platz in der Rangliste hinaus. Diesen belegte er 1990 und 1991. Auch sein letzter Sieg bei einem der großen Turniere liegt bereits einige Zeit zurück. 2002 teilte sich Gelfand in Cannes den Turniersieg mit Topalow. Daher gilt Gelfand sicherlich gegen Anand als Außenseiter. Gelfand mag zwar vergleichsweise unspektakulär spielen, ist aber dennoch ein sehr unangenehmer Gegner für Anand. Der Israeli macht nur selten Fehler und glänzt positionell.
Viswanathan Anand – der TitelverteidigerDer Weltmeister wurde am 11. Dezember 1969 in Madras geboren, woraus sein Spitzname in der Schachwelt, der „Tiger von Madras“ abgeleitet wurde. Anand begann ca. 1976 mit dem Schachspiel. Großmeister wurde er 1987, dem Jahr, in dem er auch die Juniorenweltmeisterschaft gewinnen konnte.
Viswanathan Anand Als Viswanathan Anand am 29. September 2007 in Mexiko City zum Schachweltmeister gekrönt wurde, war er bereits 38 Jahre alt. Nur der erste Weltmeister der Geschichte, Wilhelm Steinitz, war beim Gewinn des Titels noch älter. Fast schon hatte es geschienen, als müsse Anand das Schicksal Viktor Kortschnois teilen, der zwar auch zweifellos zu den Besten seiner Zeit gehörte, dem der Titel jedoch nie vergönnt war. Beim Zonenturnier in Doha (Katar) im März 1989 qualifizierte sich der Inder erstmals für ein Interzonenturnier. Dieses fand als Schweizer Turnier in Manila statt. Hinter Boris Gelfand und Wassyl Iwantschuk belegte Anand den geteilten 3. Platz und zog somit in das Kandidatenturnier ein. Erster Gegner war hier der Alexei Drejew aus der Sowjetunion, den Anand beim Heimspiel in Madras klar mit 4½:1½ heim schickte. Im Viertelfinale in Brüssel beendete jedoch Anatoli Karpow Anands Titelträme beim 4½:1½. Bei der WM 1995 gelang Anand erstmals der Einzug ins Finale. Auf den Sieg im Groninger Qualifikationsturnier folgten in den Kandidaten-Matches Siege gegen Romanischin, Adams und schließ Kamsky. Das WM-Finale in New York entschied jedoch Weltmeister Garri Kasparow klar mit 10½:7½ für sich. Beim nächsten Anlauf auf die Schachkrone, bei der Anand für das Finalturnier gesetzt war, gelang 2007 endlich der Titelgewinn. Ein Jahr später verteidigte Anand den Titel erfolgreich im Match gegen Wladimir Kramnik. Zuvor war Anand bei den Wiedervereinigungsbemühungen im Rahmen der „Prager Vereinbarung“ einfach übergangen worden. 2010 konnte Anand beim „Auswärtsspiel“ in Sofia den Titel trotz einer Startniederlage gegen Wesselin Topalow verteidigen. Auch bei den Fide-Weltmeisterschaften, die von 1993 bis 2005 parallel zu den klassischen Weltmeisterschaften ausgetragen wurden, war Anand erfolgreich. 1997 qualifizierte er sich beim Ko-Turnier in Groningen für das WM-Finale gegen Anatoli Karpow. Der ausgeruhte Russe konnte ihn dann jedoch beim Finale in Lausanne wenige Tage später im Tiebreak schlagen. Bei der Fide-WM 2000 in Neu Delhi und Teheran konnte Anand dann den Titel der Fide gewinnen. Bei der Fide-WM 2002, die ebenfalls im Ko-System ausgetragen wurde, scheiterte er im Halbfinale an Wassyl Iwantschuk. Beim WM-Turnier in San Luis 2005 belegte Anand hinter Wesselin Topalow den 2. Platz. Viswanathan Anand ist damit der einzige Spieler, der beim Turnier, beim Ko-Turnier und in Matches Weltmeister werden konnte. Die Erfolge Anands bei hochkarätigen Turnieren würden den Rahmen dieser Seite sprengen. Der letzte große Erfolg liegt aber bereits einige Zeit zurück. 2008 in Linares gelang der letzte große Turniersieg. Überraschend ist, dass Anand, obschon er seit mehr als 15 Jahren zur absoluten Weltspitze gehört, insgesamt nur zwei Jahre an der Spitze der Weltrangliste stand, zuletzt im Mai 2011. Dabei gehört der Weltmeister zusammen mit Kasparow, Topalow, Kramnik, Carlsen und Aronjan zum illustren Kreis der Spieler, die die Marke von 2800 Elo-Punkten knacken konnten. Weitere InformationenWM 2010, Anand, Gelfand, World Cup 2009, WM 2007, Fide-WM 2000 Anzeige
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Letzte Aktualisierung 7.11.2011, 21.26 Uhr Artikel zum Thema Anand bleibt Weltmeister Anzeige
Hintergrund in Kürze Die WM 2010 stellt das Ende des „ewigen“ Wiedervereinigungszyklus dar, der mit der WM 2006 zwischen Kramnik und Topalow begann. Der folgende Zyklus ist dann der erste – mehr oder weniger – normale. Nächster Termin Die nächste Weltmeisterschaft findet im Mai 2012 in Moskau statt. Boris Gelfand ist der Herausforderer. – Turnierkalender Chronik zum Thema Die bisherigen Weltmeister: 1886, 1889, 1891, 1892 Steinitz, 1894, 1897, 1907, 1908, 1910, 1910/II Lasker, 1921 Capablanca, 1927, 1929, 1934 Aljechin, 1935 Euwe, 1937 Aljechin, 1948, 1951, 1954 Botwinnik, 1957 Smyslow, 1958 Botwinnik, 1960 Tal, 1961 Botwinnik, 1963, 1966 Petrosjan, 1969 Spasski, 1972 Fischer, 1975, 1978, 1981, 1984 Karpow, 1985, 1986, 1987, 1990, 1993, 1995 Kasparow, 2000, 2004, 2006 Kramnik, 2007, 2008, 2010 Anand Alle Weltmeisterschaften mit Ergebnissen und Berichten findest Du in der caissa schach-chronik. Rechte an dieser Seite Text: Rainer Osenberg, Bilder: Stefan64/Wikimedia Commons, cc-by-sa 3.0 (Details), Ygrek/Wikimedia Commons, gemeinfrei (Details) Diese Seite merken |
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