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caissa schach-magazin - Klassische Weltmeisterschaft

Anand gegen Topalow

Weltmeisterschaft 2010 in Sofia

Das Finale um die klassischen Weltmeisterschaft bestreiten der Titelverteidiger Viswanathan Anand und Herausforderer Wesselin Topalow zwischen dem 23. April und dem 12. Mai 2010 in der bulgarischen Hauptstadt Sofia.

Das Match

Das Finale wird über zwölf Partien ausgetragen. Nach jeweils zwei Partien genießen die Spieler einen Ruhetag. Sollte in den regulären Partien keine Entscheidung fallen, werden Schnellschachpartien über den Titel entscheiden. Das Preisgeld beträgt 2 Millionen Euro.

Nähere Informationen folgen, sobald sie verbindlich vorliegen.

Das Duell lässt einiges erwarten. Topalow ist für seinen aggressiven Stil von Partiebeginn an berüchtigt, überspannt jedoch zuweilen den Bogen und muss dann in die Verteidigung, die zweifellos nicht zu seinen Stärken gehört. Dagegen hat Anand schon manche sicher verlorenen geglaubte Partie gerettet, ohne deswegen als ausgesprochener Verteidiger zu gelten. Bei der WM 2008 konnte er Wladimir Kramnik mit seiner hervorragenden Vorbereitung ein ums andere Mal überraschen.

Wesselin Topalow – der Herausforderer

Herausforderer Wesselin Topalow

Wesselin Topalow

Der Bulgare Wesselin Topalow wurde am 15. März 1975 im nordbulgarischen Russe geboren, ist also während der Weltmeisterschaft 35 Jahre alt. Topalow wurde schon als „Fanatiker mit den feurigen Augen“ bezeichnet und begann Anfang der 80er-Jahre im Alter von 7 mit dem Schachspiel. Bereits 1989 konnte er mit dem U14-Weltmeistertitel auf sich aufmerksam machen. Zum GM wurde Topalow 1992 ernannt.

Dass Wesselin Topalow um den Titel spielt, hat er seiner überragenden Leistung bei der Fide-Weltmeisterschaft 2005 zu verdanken. Der Bulgare gewann dieses ursprünglich als Wiedervereingungs-WM geplante Turnier in überlegener Manier und zehrt noch heute von diesem Erfolg.

Als es 2006 in Elista tatsälich zur Vereinigung der Schachwelten kam, verlor Topalow im Schnellschach-Tiebreak das Match gegen den klassischen Weltmeister Wladimir Kramnik. Ebenso musste Topalow vereinbarungsgemäß seinen Startplatz bei der WM 2007 in Mexiko an Kramnik abgeben.

Sp. Termin Weiß Schwarz Erg. Stand
1 17.02. Wesselin Topalow - Gata Kamsky ½:½ ½:½
2 18.02. Gata Kamsky - Wesselin Topalow 0:1 1½:½
3 20.02. Wesselin Topalow - Gata Kamsky ½:½ 2:1
4 21.02. Gata Kamsky - Wesselin Topalow 1:0 2:2
5 23.02. Wesselin Topalow - Gata Kamsky 1:0 3:2
6 24.02. Gata Kamsky - Wesselin Topalow ½:½ 3½:2½
7 26.02. Wesselin Topalow - Gata Kamsky 1:0 4½:2½

Dafür profitierte der Bulgare jedoch vom Privileg, gegen den Sieger des World Cups 2007 ein Kandidatenfinale auszutragen, um den Herausforderer des Weltmeisters von 2008 zu ermitteln. Dieses Kandidaten-Match gegen Gata Kamsky fand nach einigen Hin und Her Anfang 2009 in Sofia statt und wurde von Topalow deutlich gewonnen.

Für Wesselin Topalow ist das Heimspiel in Sofia die zweite Teilnahme am WM-Finale. Sein erster Zyklus begann mit dem PCA-Qualifikationsturnier in Groningen. Dort belegte der junge Bulgare den 20. Platz. Erstmals ins Kandidatenturnier schaffte es Topalow 2002 in Dortmund, wo die Schachtage zur Kandidatenermittlung benutzt wurden. Topalow gewann hier gemeinsam mit Schirow die Vorrundengruppe, siegte im Halbfinale gegen Barejew, unterlag dann aber Peter Leko.

Abgesehen von seinem Triumph 2005 agierte Topalow bei der Fide-WM eher unter seinen Möglichkeiten: 1993 wurde er beim Interzonenturnier in Biel 63., nachdem er sein Zonenturnier in Budapest gewonnen hatte. Beim Ko-Turnier in Groningen 1997 scheiterte er bereits in der 2. Runde an Piket, 1999 in der 3. Runde an Kramnik. 2000, als Anand Fide-Weltmeister wurde, schied Topalow im Viertelfinale gegen Adams aus. Weiter kam er lediglich 2004, als er im Halbfinale gegen Kasimdzhanov den Kürzeren zog. Dazwischen bei der Fide-WM 2002 in Moskau war im Achtelfinale gegen Schirow Schluss.

Aufgrund seiner oft hervorragenden Turniere – unvergessen ist z.B. sein Sieg gegen Kasparow in dessen letzter Turnierpartie – gehört Topalows Rating zu den besten aller Zeiten. Sein Höchstwert von 2813 Punkten wurde bisher nur von Garri Kasparow getoppt. Im April 2006 wurde Topalow erstmals Ranglistenerster und verteidigte den Platz bis April 2007. Im Oktober 2008 eroberte er sich den „Platz an der Sonne“ zurück und blieb dort weitere 15 Monate.

Viswanathan Anand – der Titelverteidiger

Titelverteidiger Viswanathan Anand

Viswanathan Anand

Der Weltmeister wurde am 11. Dezember 1969 in Madras geboren, woraus sein Spitzname in der Schachwelt, der „Tiger von Madras“ abgeleitet wurde. Anand begann ca. 1976, also kurz nach Topalows Geburt mit dem Schachspiel. Großmeister wurde er 1987, dem Jahr, in dem er auch die Juniorenweltmeisterschaft gewinnen konnte.

Als Viswanathan Anand am 29. September 2007 in Mexiko City zum Schachweltmeister gekrönt wurde, war er bereits 38 Jahre alt. Nur der erste Weltmeister der Geschichte, Wilhelm Steinitz, war beim Gewinn des Titels noch älter.

Fast schon hatte es geschienen, als müsse Anand das Schicksal Viktor Kortschnois teilen, der zwar auch zweifellos zu den Besten seiner Zeit gehörte, dem der Titel jedoch nie vergönnt war. Beim Zonenturnier in Doha (Katar) im März 1989 qualifizierte sich der Inder erstmals für ein Interzonenturnier. Dieses fand als Schweizer Turnier in Manila statt. Hinter Boris Gelfand und Wassyl Iwantschuk belegte Anand den geteilten 3. Platz und zog somit in das Kandidatenturnier ein. Erster Gegner war hier der Alexei Drejew aus der Sowjetunion, den Anand beim Heimspiel in Madras klar mit 4½:1½ heim schickte. Im Viertelfinale in Brüssel beendete jedoch Anatoli Karpow Anands Titelträme beim 4½:1½.

Bei der WM 1995 gelang Anand erstmals der Einzug ins Finale. Auf den Sieg im Groninger Qualifikationsturnier folgten in den Kandidaten-Matches Siege gegen Romanischin, Adams und schließ Kamsky. Das WM-Finale in New York entschied jedoch Weltmeister Garri Kasparow klar mit 10½:7½ für sich.

Beim nächsten Anlauf auf die Schachkrone, bei der Anand für das Finalturnier gesetzt war, gelang 2007 endlich der Titelgewinn. Ein Jahr später verteidigte Anand den Titel erfolgreich im Match gegen Wladimir Kramnik.

Auch bei den Fide-Weltmeisterschaften, die von 1993 bis 2005 parallel zu den klassischen Weltmeisterschaften ausgetragen wurden, war Anand erfolgreich. 1997 qualifizierte er sich beim Ko-Turnier in Groningen für das WM-Finale gegen Anatoli Karpow. Der ausgeruhte Russe konnte ihn dann jedoch beim Finale in Lausanne wenige Tage später im Tiebreak schlagen. Bei der Fide-WM 2000 in Neu Delhi und Teheran konnte Anand dann den Titel der Fide gewinnen. Bei der Fide-WM 2002, die ebenfalls im Ko-System ausgetragen wurde, scheiterte er im Halbfinale an Wassyl Iwantschuk. Beim WM-Turnier der Fide in San Luis 2005 belegte Anand hinter Wesselin Topalow den 2. Platz.

Die Erfolge Anands bei hochkarätigen Turnieren würden den Rahmen dieser Seite sprengen. Überraschend ist, dass Anand, obschon er seit mehr als 15 Jahren zur absoluten Weltspitze gehört nur 1½ Jahre lang die Weltrangliste anführen konnte, und zwar von April 2007 bis Juli 2008. Dabei gehört der Weltmeister zusammen mit Kasparow, Topalow, Kramnik und Carlsen zum illustren Kreis der Spieler, die die Marke von 2800 Elo-Punkten knacken konnten.

Vor Ort dabei

Sofia liegt zwar nicht gleich um die Ecke, ist aus dem deutschsprachigen Raum jedoch bequem und recht preisgünstig zu erreichen, so dass ein Trip zur WM durchaus in Frage kommt. Von Deutschland aus werden (im Januar) noch Hin- und Rückflug ab 30 € angeboten. Der reguläre Preis liegt bei etwa 170 €, von Wien aus ist es etwas billiger. Auch eine ordentliche Unterkunft kann in Sofia zu moderarten Preisen gebucht werden.

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Klassische Weltmeisterschaft bei caissa

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WM-Hintergrund

Die WM 2010 stellt das Ende des „ewigen“ Wiedervereinigungszyklus dar, der mit der WM 2006 zwischen Kramnik und Topalow begann. Der folgende Zyklus ist dann der erste – mehr oder weniger – normale.

Chronik

Die bisherigen Weltmeister: 1889, 1889, 1891, 1892 Steinitz, 1894, 1897, 1907, 1908, 1910, 1910/II Lasker, 1921 Capablanca, 1927, 1929, 1934 Aljechin, 1935 Euwe, 1937 Aljechin, 1948, 1951, 1954 Botwinnik, 1957 Smyslow, 1958 Botwinnik, 1960 Tal, 1961 Botwinnik, 1963, 1966 Petrosjan, 1969 Spasski, 1972 Fischer, 1975, 1978, 1981, 1984 Karpow, 1985, 1986, 1987, 1990, 1993, 1995 Kasparow, 2000, 2004, 2006 Kramnik, 2007, 2008 Anand

In der caissa schach-chronik findest Du alle Weltmeister mit den Ergebnissen der Weltmeisterschaften, der Qualifikationsturniere und Berichten.

Quellen und weitere Informationen

Frauen-WMMannschafts-WM

Copyrights dieser Seite

Text: Rainer Osenberg, Bilder: Flickr-User karpidis (Wesselin Topalow, Lizenz Creative Commons 2.0 Namensnennung USA), gemeinfrei (Viswanathan Anand)

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